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MAP19

21.-25. August 2018

News

Bandvorstellung: Minor Cabinet

map18 | 2017-08-23 06:25:57
Wenn Bands zusammenkommen, um an einem neuen Song zu arbeiten, heißt das nicht unbedingt, dass sie es auch wirklich tun. Am Ende hat sich der Bassist möglicherweise mit bislang ungeahnten Bassläufen verewigt, der Gitarrist ist nur noch drei Soli von der finalen Selbstverwirklichung entfernt, und der Drummer lauscht seinen ambitionierten Rhythmuswechsel selig lächelnd noch einmal kurz vor dem Einschlafen. Aber ein Song? Ist eher nicht dabei herausgekommen.

Bei Minor Cabinet ist das anders. „Es geht nur um den Song“, lautet die Maxime der fünf Musiker, wenn sie in ihrem Krefelder Proberaum zusammenkommen. Am Anfang ist dann eine Idee, die es zu entwickeln und zu unterstützen gilt. Und weil Julian Jasny (Gesang, Gitarre), Roman Dönicke (Schlagzeug), Robert Kaber (Solo-Gitarre), Christian Peitz (Keyboards) und Paul Krobbach (Bass) aus den unterschiedlichsten musikalischen Richtungen und allerlei feinen Krefelder Bands kommen, ist die Herangehensweise dabei ausgesprochen frei. Beweisen muss sich niemand mehr, denn jeder von ihnen hat bereits ausgiebig gezeigt, was er an seinem Instrument kann. Zu abwegig ist erst einmal kein musikalischer Einfall, solange er dem jeweiligen Song dient. Stagnation ist verpönt. Die sichere, berechnend kalkulierte Hit-Nummer ebenso.

Wurden Minor Cabinet nach ihrem Debüt-Album „Black Inck On White Sheets“ noch voreilig in der Bluesrock-Ecke positioniert, tun sich heute nach zwei Umbesetzungen ganz neue Möglichkeiten und Horizonte auf. Was nach wie vor gilt: Auf die protzige Hook, den nach Aufmerksamkeit gierenden Chorus verzichtet die Band gerne. Die Songs von Minor Cabinet buhlen nicht mit bloßen Oberflächenreizen um die Gunst der Hörer, sie gehen lieber den komplizierten Weg und wollen erschlossen werden. Man muss sich auf diese Lieder einlassen. Und weil das Freude bereitet und einen immer wieder Neues entdecken lässt, bleibt man dann auch besonders lange bei ihnen.

Das Nicht-Offensichtliche des Songwritings spiegelt die Qualität der Texte wider, die von Julian Jasny stammen. Schreiben kann er nur über Themen, die ihn bewegen. Dieses Involviert-Sein führt jedoch nicht zum Dozieren oder Predigen; um ermüdend Eindeutiges macht er einen großen Bogen, Plattitüden sind ihm zuwider. Julian möchte Sätze singen, die er so vorher noch nie gesagt hat und die mit ihrer Bedeutung nicht hausieren gehen. Und so, wie sich die Texte nicht direkt erschließen, erschließen sich auch die Songs in ihrer unaufdringlichen Komplexität erst nach und nach. In den letzten Monaten sind zahlreiche hochinteressante Tracks entstanden, etwa das auf einem sich wiederholenden Gitarren-Picking basierende „Waiting For The Morning Light“, bei dem die Repetition mit einer stetigen Soundverdichtung einhergeht und das im weiteren Verlauf eine gewisse Beatles-Nähe erkennen lässt. Oder das facettenreiche „XX Your Mind“, das eine bestechende Dynamik entfaltet – bis hin zum von harten Gitarren getragenen Refrain. „She Runs My World“ wiederum klingt dagegen leicht und sonnig – der Wille zur Schönheit auf sehr hohem Niveau. Man mag das mit dem Label „Alternative“ versehen, doch wirklich gerecht wird man der Band damit nicht.

Auf kommerziellen Erfolg sind Minor Cabinet mit diesen Liedern nicht aus. Wohl aber auf möglichst viele Gigs, denn Feedback ist den fünf Musikern enorm wichtig. Dass Auftritte der Krefelder Band – nicht zuletzt dank Julian Jasnys ausdrucksstarker Stimme – etwas ganz Besonderes sind, sei nur am Rande erwähnt. Die hohe Kunst des Songwritings: Auch live entwickelt sie eine unwiderstehliche Kraft.

Samstag, 26.08.2017, 20.45 Uhr

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